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Nachhaltige Produkte: Die überraschende Wahrheit über Greenwashing und echte Umweltfreundlichkeit

Nachhaltige Produkte stehen hoch im Kurs, doch 53,5 % der Umweltaussagen sind vage, irreführend oder unzureichend belegt. Gleichzeitig geben Verbraucher bis zu 70 % mehr für nachhaltige Produkte aus, was die Bedeutung echter Umweltfreundlichkeit unterstreicht. Wir zeigen Ihnen, was nachhaltige Produkte wirklich ausmacht, wie Sie vertrauenswürdige Gütesiegel für nachhaltige Produkte erkennen und welche Greenwashing-Maschen häufig eingesetzt werden. Ausserdem erfahren Sie, worauf Sie beim Kauf von nachhaltigen und umweltfreundlichen Produkten achten sollten und erhalten praktische nachhaltige Produkte Beispiele für Ihren Alltag.

Was sind nachhaltige Produkte und warum sind sie wichtig

Bei der Herstellung von Produkten werden natürliche Ressourcen verbraucht und Schadstoffe in Boden, Luft und Wasser freigesetzt. Die Art und Weise, wie Waren produziert, transportiert und entsorgt werden, bestimmt ihren ökologischen Fussabdruck und beeinflusst künftige Generationen.

Definition nachhaltiger Produkte

Nachhaltige Produkte sind so konzipiert, dass sie bei Herstellung und Nutzung minimale Auswirkungen auf die Umwelt haben. Dabei geht es um mehr als nur Umweltschutz. Während umweltfreundliche Produkte sich auf die Erhaltung der Natur fokussieren, beziehen nachhaltige und umweltfreundliche Produkte auch den Menschen mit ein. Faire Arbeitsbedingungen, soziale Gerechtigkeit und die Bewahrung von Ressourcen spielen eine gleichwertige Rolle.

Die Bewertung erfolgt über sieben zentrale Indikatoren: recycelte und wiederverwendete Materialien, Recyclingfähigkeit, erneuerbare Materialien, nicht-erneuerbare Materialien im Verhältnis zur Lebensdauer, gefährliche Stoffe, Energieverbrauch beim Gebrauch sowie Treibhausgasemissionen während der Nutzung. Ein Produkt gilt entsprechend als nachhaltig, wenn es aus biologischen, erneuerbaren oder wiederverwertbaren Materialien hergestellt wird, einen geringen Wasser- und Energieverbrauch aufweist und wenig Verpackungsmüll erzeugt.

Transparenz in der Lieferkette bildet ein weiteres Kriterium. Hersteller sollten Einblicke in Produktionsprozesse, Lieferanten und Arbeitsbedingungen gewähren. Zertifizierungen wie Fairtrade oder GOTS bieten dabei Orientierung für eine verantwortungsbewusste Herstellung.

Nachhaltige Produkte Beispiele aus dem Alltag

Wiederverwendbare Behälter für Lebensmittel und Getränke gehören zu den beliebtesten umweltfreundlichen Alternativen. Bienenwachstücher ersetzen Frischhaltefolie und Alufolie, da sie mehrfach verwendbar, biologisch abbaubar und aus natürlichen Materialien hergestellt sind. Wiederverwendbare Trinkhalme und biologisch abbaubare Reinigungsschwämme reduzieren Plastikmüll im Alltag.

Im Bereich Kosmetik und Körperpflege setzen sich feste Shampoos und Seifen durch. Nachfüllbare Produkte bei Duschgel, Deodorant oder Zahnpasta sparen Verpackungsmaterial. Zahnputztabletten vermeiden Plastikverpackungen von Tubenpasten, während Zahnbürsten aus Bambus herkömmliche Plastikzahnbürsten ersetzen. Bei Reinigungsmitteln bieten Essig und Natron umweltfreundliche Alternativen, die ohne zusätzliche Chemikalien funktionieren.

Nachhaltige Lebensmittel umfassen zertifizierte Bio-Erzeugnisse, Fair-Trade-Produkte wie Kaffee und Schokolade sowie regionale und saisonale Waren. Bei Kleidung stehen Textilien aus Bio-Baumwolle, recycelten Materialien oder Second-Hand-Optionen im Fokus.

Der wachsende Markt für umweltfreundliche Produkte

Der Markt für nachhaltige Produkte verzeichnet ein starkes Wachstum. Der weltweite Umsatz soll von 412,12 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 auf 803,68 Milliarden US-Dollar bis 2035 steigen. In den USA gaben 49 % der Verbraucher an, im Jahr 2025 ein nachhaltiges Produkt gekauft zu haben, gegenüber 43 % im Vorjahr.

In Deutschland hatten umweltfreundliche und sozialverträgliche Produkte 2024 einen Marktanteil von 8,9 % in den erfassten Produktgruppen. Die Bundesregierung strebt bis 2030 einen Anteil von 34 % an. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Produktkategorien: 79,5 % der verkauften Waschmaschinen trugen bereits die höchste Effizienzkategorie A. Bei Biolebensmitteln stagnierten die Marktanteile in den letzten fünf Jahren zwischen 6 und 7 %. Hygienepapiere verzeichneten hingegen einen Rückgang um über 10 Prozentpunkte auf nur noch 6,7 %.

Die Zahlungsbereitschaft variiert nach Produktgruppe. 38 % der Befragten sind bereit, für umweltfreundliche Lebensmittel und Getränke mehr auszugeben. Bei Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln sowie Kosmetik zeigt sich ein ähnliches Bild. Bei Möbeln oder Unterhaltungselektronik fällt die Mehrausgabebereitschaft deutlich geringer aus.

Gütesiegel für nachhaltige Produkte: Orientierung im Label-Dschungel

Hunderte von Labels konkurrieren um Aufmerksamkeit auf Verpackungen und Produkten. Verbraucher stehen vor der Herausforderung, echte Gütesiegel für nachhaltige Produkte von reinen Marketingmassnahmen zu unterscheiden. Die Label-Landschaft erschwert fundierte Kaufentscheidungen erheblich.

Anerkannte Siegel und ihre Bedeutung

Der Blaue Engel gilt als eines der glaubwürdigsten Umweltlabels weltweit. Als staatliches deutsches Umweltzeichen mit unabhängiger Prüfung kennzeichnet er rund 12.000 Produkte und Dienstleistungen. Das Bundesumweltministerium fungiert als Zeicheninhaber, während das Umweltbundesamt die Kriterien erarbeitet. Die Vergabe erfolgt durch die RAL gGmbH als unabhängige Zertifizierungsorganisation. Der Blaue Engel berücksichtigt den gesamten Lebenszyklus eines Produktes und bewertet Aspekte wie ressourcenschonende Herstellung, Langlebigkeit, Reparierbarkeit und den Verzicht auf gesundheitsgefährdende Chemikalien.

Das EU Ecolabel wurde 1992 durch die EU-Verordnung eingeführt und gilt in allen Mitgliedstaaten sowie Norwegen, Liechtenstein und Island. Als Typ-1-Umweltzeichen gemäss ISO-Norm 14024 entspricht es der höchsten Kategorie für Umweltzeichen. Produkte und Dienstleistungen mit diesem Siegel weisen bezogen auf die gesamte Lebensdauer geringere Umweltauswirkungen auf als der Marktdurchschnitt. Die Nutzung basiert auf Freiwilligkeit, jedoch müssen strenge Anforderungen erfüllt werden. Nach erfolgreicher Prüfung durch die RAL gGmbH gilt der Zeichennutzungsvertrag in der gesamten EU.

Bei Bio-Siegeln bilden das EU-Bio-Logo und das deutsche Bio-Siegel die Basis. Beide garantieren die Einhaltung der EG-Öko-Verordnung mit mindestens jährlichen Kontrollen. Verbände wie Bioland, Demeter, Naturland und Biokreis gehen mit ihren Anforderungen über die staatlichen Vorgaben hinaus. Ihre Kriterien müssen für den gesamten Betrieb gelten und bieten strengere Standards beim Tierwohl.

Der Forest Stewardship Council (FSC) zertifiziert nachhaltig bewirtschaftete Wälder mit jährlichen Kontrollen durch unabhängige Stellen. Fairtrade garantiert faire Handelsbedingungen mit stabilen Preisen für Kleinbauernkooperativen und verbietet Kinderarbeit. Der Global Organic Textile Standard (GOTS) deckt sowohl Sozialstandards als auch Umweltkriterien bei Textilien ab und zählt zu den weitverbreiteten Öko-Textilsiegeln.

Hauslabels ohne echte Prüfung

Vorsicht ist bei Labels geboten, die nur das Firmenlogo tragen oder keine unabhängige Prüfstelle benennen. Solche Eigen-Labels wirken häufig wie Haus-Logos der jeweiligen Firma und bieten kaum Mehrwert. Sie verfügen weder über öffentlich zugängliche Kriterien noch über transparente Informationen zum Prüfverfahren. Marken und Produktlinien kommen oft wie echte Labels daher, obwohl sie keine seriöse Zertifizierung durchlaufen haben.

Ab dem 27. September 2026 dürfen Unternehmen nur noch mit Siegeln werben, die auf anerkannten Zertifizierungssystemen oder staatlichen Stellen basieren. Die EmpCo-Richtlinie macht reine Eigenlabels oder Selbstverpflichtungen ohne unabhängige Kontrolle unzulässig. Hauslabels müssen durch unabhängige Dritte zertifiziert sein, um weiterhin verwendet werden zu dürfen.

Wie man vertrauenswürdige Zertifizierungen erkennt

Empfehlenswerte Siegel verfügen über ein transparentes und nachprüfbares Zertifizierungssystem, das prinzipiell für alle Unternehmen zugänglich ist. Die Anforderungen gehen deutlich über das gesetzlich geforderte Umweltzschutzniveau hinaus. Vertrauenswürdige Umweltzeichen benennen die zertifizierte Produkteigenschaft klar, beispielsweise «zu 100% aus Recyclingmaterial». Die Vergabekriterien lassen sich schnell prüfen und sind frei im Internet zugänglich. Zudem sind die vergebende Stelle, die Gültigkeitsdauer sowie das Vergabejahr ersichtlich.

Das Projekt Siegelklarheit der Bundesregierung bietet einen Überblick zu Siegeln verschiedener Produktgruppen von Holz über Elektrogeräte bis zu Textilien und Lebensmitteln. Die Website label-online.de der Verbraucher Initiative e.V. stellt eine umfassende Datenbank zur Bewertung von Umwelt- und Soziallabels bereit. Der NABU hat eine praktische App entwickelt, mit der Verbraucher im Supermarkt Produkte und deren Siegel direkt abfotografieren und auf dem Smartphone Informationen über deren Bedeutung abrufen können.

Greenwashing bei nachhaltigen Produkten: Die häufigsten Täuschungsmaschen

Unternehmen nutzen systematische Täuschungsstrategien, um ihren Produkten ein grünes Image zu verleihen. Eine Untersuchung der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2020 stufte 53,3 % aller geprüften Umweltaussagen in der EU als vage, irreführend oder unfundiert ein. Diese Praxis schadet nicht nur Verbrauchern, sondern auch Unternehmen, die tatsächlich nachhaltig wirtschaften.

Vage Begriffe ohne konkrete Belege

Begriffe wie «umweltfreundlich», «nachhaltig», «klimaneutral» oder «ökologisch» klingen vertrauenswürdig, sind rechtlich jedoch nicht geschützt. Hersteller verwenden sie ohne Einschränkung, selbst wenn das Produkt keine echten Umweltvorteile bietet. Ein Shampoo wird beispielsweise als «frei von Mikroplastik» beworben, enthält allerdings andere umweltschädliche Stoffe. Die Aussage «ohne Zuckerzusatz» bei gefriergetrockneten Früchten täuscht über den tatsächlichen Zuckergehalt von fast 70 % hinweg.

Besonders problematisch sind Klimaneutralitäts-Claims. Unternehmen senken ihre eigenen Emissionen kaum, sondern zahlen an Aufforstungsprojekte oder kaufen CO2-Zertifikate. Die angebliche Klimaneutralität basiert auf Kompensationsmassnahmen ausserhalb der eigenen Wertschöpfungskette, während die Produktion weiterhin CO2-intensiv bleibt. Ab dem 27. September 2026 sind produktbezogene Klimaaussagen, die auf solchen Ausgleichszahlungen beruhen, in der EU verboten.

Leuchtturm-Produkte bei problematischem Kerngeschäft

Fast-Fashion-Konzerne bewerben einzelne Kollektionen aus recycelten Fasern oder Bio-Baumwolle massiv. Das Kerngeschäft bleibt dabei umweltschädlich, mehrere Kollektionen kommen weiterhin im Jahr auf den Markt. Diese Strategie lenkt von der eigentlichen Problematik ab. Der Energiekonzern RWE startete die Kampagne «Growing Green» und präsentierte sich als Schrittmacher der grünen Energiewelt, während er gleichzeitig an Braunkohletagebau und LNG-Terminals festhielt.

Bio-zertifizierte Baumwolle sagt zudem nichts über Arbeitsbedingungen bei der Ernte aus. Unternehmen investieren lieber in Marketingkampagnen und günstige Kompensationsmassnahmen als in tatsächliche CO2-Reduktionen oder nachhaltigere Produktionsprozesse.

Irreführende Verpackungen und Symbole

Grüne Farbtöne und Natursymbole auf Verpackungen suggerieren Umweltfreundlichkeit, obwohl dahinter keine ökologischen Massnahmen stehen. Laut wissenschaftlichen Studien werden 62 bis 90 % der Produktbeurteilung allein auf Basis von Farben getroffen. Verpackungen im bräunlichen Papier-Look täuschen besonders häufig. In der Regel steckt eine Kunststoff- oder Aluminiumschicht hinter dem echten Papier, oder der Papier-Look ist lediglich aufgedruckt.

Aussagen wie «100 % recycelbar» oder «zu 90 % aus nachwachsenden Rohstoffen» entsprechen selten der Wahrheit. Verbundverpackungen lassen sich in Sortiermaschinen gar nicht oder nur sehr schwer trennen. Die Mehrzahl der betrachteten Produkte wurde von potenziellen Käufern aufgrund ihrer Aufmachung deutlich nachhaltiger bewertet als von Fachleuten der Verbraucherzentrale.

Werbung mit gesetzlichen Mindeststandards

Unternehmen werben mit Selbstverständlichkeiten, die bereits gesetzlich vorgeschrieben sind. Das Label «FCKW-frei» erscheint auf Produkten, obwohl Fluorchlorkohlenwasserstoffe in Deutschland seit Jahren verboten sind. Plastikstrohhalme werden nicht mehr verwendet, dabei sind sie ohnehin gesetzlich untersagt. Diese Marketingstrategie verkauft die Einhaltung von Mindeststandards als besondere Nachhaltigkeitsleistung.

Nachhaltige und umweltfreundliche Produkte erkennen: Praktische Tipps

Die Überprüfung nachhaltiger Produkte erfordert einen systematischen Ansatz. Lediglich 15 % der Befragten fällt es leicht zu erkennen, woher die Zutaten eines Produkts stammen. Diese Unsicherheit lässt sich durch gezielte Prüfschritte und digitale Hilfsmittel reduzieren.

Produktinformationen richtig prüfen

Achten Sie darauf, ob Umweltaussagen durch unabhängige Dritte verifiziert wurden. Fehlen Nachweise von Prüfinstitutionen wie Naturland oder Demeter, bleibt die Aussage «100 % ökologisch» haltlos. Seriöse Hersteller verweisen auf Studien oder hinterlegen QR-Codes mit detaillierten Produktinformationen auf der Verpackung.

Fragen Sie sich bei jedem Produkt: Von wem und unter welchen Bedingungen wurde es hergestellt? Woher stammen die Ressourcen? Wie sieht es mit Emissionen und schädlichen Stoffen aus? Was geschieht nach dem Gebrauch mit dem Produkt? Je transparenter die Antworten ausfallen, desto bewusster können Sie entscheiden.

Transparenz in der Lieferkette bewerten

Über die Hälfte der Verbraucher stuft ökologische Nachhaltigkeit als wichtiger ein als noch vor 12 Monaten, und fast die Hälfte zahlt mehr für nachhaltige oder sozial verantwortliche Produkte. Unternehmen reagieren darauf mit erhöhter Transparenz. Prüfen Sie auf der Website des Herstellers, ob klare Angaben zu Nachhaltigkeitsrichtlinien für Produkte und Rohstoffe vorhanden sind. Fehlen solche Informationen, kann dies auf Greenwashing hindeuten.

Transparente Lieferketten ermöglichen die Rückverfolgung vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt. Einige Unternehmen nutzen Blockchain-Technologie für eine unwiderlegbare Dokumentation aller Produktions- und Lieferschritte. Achten Sie dabei auf regelmässige Audits und die Dokumentation aller Stationen von der Ernte über die Produktion bis zur Lieferung.

Unabhängige Quellen nutzen

Bewertungen von Umwelt- und Konsumentenschutzorganisationen erleichtern die Orientierung erheblich. Die Plattformen labelinfo.ch und wwf.ch/foodlabels bieten umfassende Einkaufsführer als Faltblatt oder App. Über 30 Lebensmittel-Labels wurden dabei in den Bereichen Umwelt, Soziales, Tierwohl sowie Management und Kontrolle bewertet.

Der CSR-Risiko-Check unterstützt Unternehmen und Verbraucher bei der Bewertung sozialer, ökologischer und Governance-Risiken in Wertschöpfungsketten. Das Tool deckt 400 verschiedene Produkte und Dienstleistungen sowie 250 Länder ab.

Apps und Tools zur Überprüfung

Die NABU Siegel-Check App gleicht fotografierte Siegel mit ihrer Datenbank ab und zeigt per Ampelfarben die Vertrauenswürdigkeit an. CodeCheck scannt Barcodes von Kosmetika, Lebensmitteln und Haushaltsprodukten. Die App bewertet Inhaltsstoffe wissenschaftlich fundiert und schlägt gesündere Alternativen vor. Allerdings sind nur noch fünf Scans pro Woche kostenlos.

Yuka funktioniert ähnlich und bewertet Produkte mit einem Punktesystem von null bis hundert. Für ungesunde Produkte zeigt die App automatisch bessere Alternativen an. Die ToxFox-App des BUND informiert speziell über hormonell wirksame Chemikalien, Mikroplastik und Nanopartikel in Kosmetik. Cosmile erklärt INCI-Inhaltsstoffe in Kosmetikprodukten, deren Funktionen und mögliche Allergierisiken.

Nachhaltige Produkte kaufen: Worauf Sie wirklich achten sollten

Fast die Hälfte der Verbraucher kauft nachhaltige Produkte, allerdings fällt die Entscheidung zwischen 59 % im Jahr 2021 auf 45 % im Jahr 2023. Der Preis bleibt dabei das dominante Kriterium, gefolgt von Langlebigkeit und Qualität. Diese Faktoren bilden die Grundlage für fundierte Kaufentscheidungen.

Gesamtbild statt Einzelaspekte betrachten

Nachhaltigkeit ist eine ganzheitliche Denkhaltung in Kreisläufen. Ein vernünftiger, verantwortungsvoller Umgang gegenüber Mensch, Umwelt und künftigen Generationen berücksichtigt weit mehr als nur wirtschaftliche Kriterien. Die Bewertung eines Produkts erfordert den Blick auf den gesamten Lebenszyklus. Woher stammen die Ressourcen? Wie sieht es mit Emissionen und schädlichen Stoffen aus? Was geschieht nach dem Gebrauch? Mussten Menschen oder Tiere leiden?

Eine einzelne nachhaltige Produkteigenschaft reicht nicht aus. Fair gehandelte Baumwolle sagt beispielsweise nichts über die Arbeitsbedingungen bei der Ernte aus. Bio-Zertifizierungen decken keine sozialen Standards ab. Erst die Kombination mehrerer Aspekte ergibt ein vollständiges Bild der tatsächlichen Nachhaltigkeit.

Regionale versus internationale Produkte

Regional bedeutet nicht automatisch nachhaltig. Die Transportwege spielen in einer ökologischen Gesamtbetrachtung nur eine untergeordnete Rolle. Lediglich sechs Prozent der Klimawirkung gehen im Durchschnitt auf das Konto des Transportes. Die Produktion von Milch verursacht mehr Treibhausgase als pflanzliche Nahrung, unabhängig von der Herkunft.

Regionale Produkte bieten dennoch Vorteile. Indem wir lokal einkaufen, stärken wir Wirtschaftskreisläufe, bekennen uns zu gerechteren Löhnen und fördern den ländlichen Raum. Nur die Kombination von Bio und Regional bringt am Ende die Vorteile aus beiden Bereichen.

Langlebigkeit und Reparierbarkeit

Langlebige Produkte zeichnen sich durch hochwertige Materialien, robuste Bauweise und die Möglichkeit zur Reparatur aus. Studien zeigen, dass sich die Umweltbelastung eines Kleidungsstücks bei doppelt so langer Nutzungsdauer um knapp die Hälfte reduzieren lässt. Eine 2021 vom niederländischen Consumentenbond durchgeführte Studie belegt, dass Vollautomaten von JURA 50 % länger leben als der Durchschnitt.

Mehr als 70 Prozent der Befragten legen Wert auf die Reparaturfähigkeit eines Produktes. Entsprechend bieten nachhaltige Hersteller Ersatzteile, Reparaturanleitungen und Reparaturservices an. Die EU-Ökodesign-Verordnung stellt sicher, dass Haltbarkeit und Reparierbarkeit künftig bei allen Produkten eine wichtige Rolle spielen.

Das richtige Verhältnis von Preis und echter Nachhaltigkeit

Nachhaltige Materialien kosten mehr. PVC-freie Materialien sind bis zu 80 % teurer als konventionelle Alternativen. Recycling-Polyester verursacht etwa 10 % Aufschlag gegenüber neu hergestelltem Polyester. Zu hohe Kosten sind der mit Abstand am häufigsten genannte Grund für die Zurückhaltung beim Kauf nachhaltiger Produkte.

Dabei zahlt sich die Investition langfristig aus. Hochwertige Produkte behalten ihren Wert länger und lassen sich besser weiterverkaufen. Für Menschen, die nachhaltig einkaufen, steht die Langlebigkeit von Produkten an erster Stelle, gefolgt von hoher Qualität.

Schlussfolgerung

Nachhaltige Produkte kaufen erfordert mehr als nur ein grünes Logo auf der Verpackung. Wir haben Ihnen gezeigt, wie Sie Greenwashing-Fallen erkennen, vertrauenswürdige Gütesiegel identifizieren und fundierte Kaufentscheidungen treffen. Nutzen Sie die vorgestellten Apps und Plattformen, um Produkte zu überprüfen, bevor Sie sich entscheiden.

Achten Sie dabei stets auf das Gesamtbild: Langlebigkeit, Transparenz in der Lieferkette und unabhängige Zertifizierungen geben Ihnen echte Sicherheit. Der höhere Preis zahlt sich langfristig aus, wenn Qualität und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen. Auf diese Weise tragen Sie aktiv zu einer umweltfreundlicheren Zukunft bei und unterstützen Unternehmen, die tatsächlich nachhaltig wirtschaften.

FAQs

Q1. Was macht ein Produkt wirklich nachhaltig? Ein Produkt ist nachhaltig, wenn es aus biologischen, erneuerbaren oder wiederverwertbaren Materialien hergestellt wird, einen geringen Wasser- und Energieverbrauch aufweist und wenig Verpackungsmüll erzeugt. Wichtig sind auch faire Arbeitsbedingungen in der Produktion, Transparenz in der Lieferkette sowie die Langlebigkeit und Reparierbarkeit des Produkts. Vertrauenswürdige Zertifizierungen wie der Blaue Engel, das EU Ecolabel oder GOTS bieten zusätzliche Orientierung.

Q2. Wie erkenne ich Greenwashing bei Produkten? Greenwashing erkennen Sie an vagen Begriffen wie «umweltfreundlich» oder «klimaneutral» ohne konkrete Belege, an irreführenden grünen Verpackungen ohne echte Nachhaltigkeitsmassnahmen und an Werbung mit gesetzlichen Mindeststandards als besondere Leistung. Achten Sie darauf, ob Umweltaussagen durch unabhängige Dritte verifiziert wurden und ob der Hersteller transparent über seine gesamte Lieferkette informiert.

Q3. Welche Siegel für nachhaltige Produkte sind vertrauenswürdig? Zu den vertrauenswürdigsten Siegeln gehören der Blaue Engel, das EU Ecolabel, Bio-Siegel wie Bioland und Demeter, der Forest Stewardship Council (FSC) für Holzprodukte, Fairtrade für faire Handelsbedingungen und GOTS für Textilien. Diese Siegel basieren auf transparenten Kriterien, werden von unabhängigen Stellen geprüft und gehen über gesetzliche Mindeststandards hinaus.

Q4. Sind regionale Produkte automatisch nachhaltiger? Nein, regional bedeutet nicht automatisch nachhaltig. Der Transport macht im Durchschnitt nur etwa sechs Prozent der Klimawirkung eines Produkts aus. Entscheidender sind die Produktionsbedingungen und verwendeten Materialien. Die Kombination aus Bio und Regional bringt jedoch die meisten Vorteile, da sie sowohl Umweltaspekte als auch lokale Wirtschaftskreisläufe und faire Arbeitsbedingungen berücksichtigt.

Q5. Welche Apps helfen beim Erkennen nachhaltiger Produkte? Die NABU Siegel-Check App bewertet fotografierte Siegel nach Vertrauenswürdigkeit. CodeCheck scannt Barcodes und bewertet Inhaltsstoffe von Kosmetika und Lebensmitteln wissenschaftlich. Yuka bietet ein Punktesystem und schlägt gesündere Alternativen vor. Die ToxFox-App des BUND informiert über hormonell wirksame Chemikalien in Kosmetik, während Cosmile INCI-Inhaltsstoffe erklärt.

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